Woher stammen unsere Futtermittel?

Herkunft der Futtermittel

211 Mio. Tonnen und damit 97 Prozent der Futtermittel stammen aus inländischer Erzeugung. Eine Zahl die überrascht, bedenkt man wie oft der Import von Soja thematisiert wird. Der hohe Anteil liegt unter anderem an den großen Mengen sogenannter nichtmarktgängiger Futtermittel. Diese lassen sich auf 180 Mio. Tonnen beziffern und machen damit bereits 83 Prozent am Futtermittelaufkommen aus. Nichtmarktgängige Futtermittel bestehen zu einem großen Teil aus hofeigenen Rohstoffen, die in unmittelbarer Nähe verfüttert werden.

Dazu zählt zum Beispiel Silomais und Gras (frisch als Grünfutter, als Silage oder trocken als Heu), Stroh und Zwischenfrüchte. Rechnet man nun die inländisch erzeugten und verfütterten marktgängigen Futtermittel hinzu (Getreide, Raps, Hülsenfrüchte, Nebenprodukte) kommt dieser hohe Anteil von 97 Prozent zustande.​

Die übrigen 3 Prozent des Futtermittelaufkommens werden vorwiegend durch den Import von Sojaextraktionsschrot und Körnermais gedeckt. Das Ziel in der Tierhaltung ist es, die Fütterung weiter zu perfektionieren. Futter wird deshalb so zusammengestellt, dass es optimal auf das Tier, dessen Gewicht, Leistung und Nährstoffbedarf angepasst ist. Um den Bedarf an verdaulichem Eiweiß zu decken werden jährlich etwa 6 Mio. Tonnen Soja (Sojabohnen und Sojaextraktionsschrot) importiert, vor allem aus Brasilien und den USA. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland eine kleine Rolle ein, etwa 3 % der weltweiten Sojaexporte landet in Deutschland.

Getreide! Vielfalt en masse…

Deutschland ist ein guter Standort für den Getreideanbau. Im Jahr 2019 wurden etwa 44,7 Mio. Tonnen Getreide einschließlich Körnermais geerntet. Das Korn des Getreides und die daraus entstehenden Getreideprodukte sind grundsätzlich sehr gut für den menschlichen Verzehr geeignet.

Auch aufgrund der hohen Erträge bildet Getreide – allen voran der Weizen – die Grundlage für die menschliche Ernährung mit einem Anteil von etwa 11 Prozent an der weltweiten Kalorienaufnahme.

Auch für die Nutztierfütterung ist Getreide eine beliebte Quelle. In Deutschland landen jährlich 23,5 Mio. Tonnen des Korns und 1,5 Mio. Tonnen des für den Menschen unverdaulichen Strohs im Futtertrog (2018/2019). Damit nicht genug. Getreide spielt noch eine weitere Rolle in der Fütterung. Über Umwege und nicht ganz offensichtlich: Im Anschluss an die Produktion von Mehl, Stärke, Backwaren, Spirituosen und Bier.

Beim Mahlen von Mehl in der Mühle bleibt Kleie übrig und dieses Mühlennachprodukt wird verfüttert, zuletzt 1,4 Mio. Tonnen pro Jahr. Ein Nebenprodukt der Stärkeherstellung, von dem etwa 0,6 Mio. Tonnen in der Fütterung landen, ist das sog. Maiskleberfutter. Im Gegensatz zu anderen Lebensmittelabfällen ist es erlaubt und üblich übriggebliebenes Altbrot sowie Brot- und Keksmehl aus Groß- und Kleinbäckereien zu verfüttern. Genaue Mengen lassen sich jedoch nicht beziffern, da diese nicht in der Statistik aufgeführt werden. Biertreber, Malzkeime und sog. Schlempen, alles Nebenerzeugnisse aus Brauereien und Brennereien werden meist ebenfalls als Futtermittel für unsere Nutztiere verwendet. Die Menge lässt sich auf etwa 1 Mio. Tonnen beziffern.

So hängt alles miteinander zusammen und Getreide findet viele Wege, um direkt oder indirekt als Futtermittel und schließlich in Form von Milch und Milchprodukten, Eiern und Fleisch Teil unserer Ernährung zu werden.

Rund um den Weizen

Die wichtigste Getreideart in Deutschland ist der Weizen mit einer Erntemenge von zuletzt 22,8 Mio. Tonnen. Damit belegt Deutschland den 7. Platz bei der weltweiten Weizenproduktion.

Da ist es kaum überraschend, dass er jährlich auf rund 3,1 Mio. ha angebaut wird und 51 Prozent der Getreideanbauflächen in Deutschland belegt.

Was aber wird mit diesem ganzen Weizen eigentlich gemacht?
Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten, besser wäre es zu fragen, was man mit oder aus Weizen nicht machen kann. Aus dem Korn wird in erster Linie Mehl und Stärke, das wiederum als Grundlage für eine Vielzahl von Lebensmitteln dient. Ob in der eigenen Küche oder als Endprodukt nach der Weiterverarbeitung z. B. in Groß- und Kleinbäckereien, bei Keks- und Süßwarenproduzenten, Brauereien, Brennereien, Ölmühlen, Nudel- oder Cornflakes-Herstellern.

Eingeteilt wird der Weizen nach Proteingehalt, Proteinqualität und den Teigeigenschaften des jeweiligen Mehles. Je besser die einzelnen Qualitäten sind, desto besser ist der Weizen für die Herstellung von Brot, Kleingebäck oder Feinbackwaren geeignet.  Erfüllt der Weizen diese Eigenschaften nicht, wird er nicht als Brot- sondern Futterweizen bezeichnet. Am Namen lässt sich erahnen, dieser Weizen wird zu einem großen Teil verfüttert. Im Jahr 2018 landeten so rund 7 Mio. Tonnen Weizen in den Trögen der Nutztiere. Damit dient der Weizen im doppelten Sinne unserer Ernährung: Als wertvolles Futtermittel und wichtiges Lebensmittel, ob in Form von Mehl, Backwaren, Milch, Eiern oder Fleisch.

Beim Landwirt auf dem Mähdrescher – Was passiert bei der Weizenernte?

Weizen lässt sich nicht nur nach Proteingehalt, -qualität oder Teigeigenschaften unterscheiden. Ein weiteres Kriterium ist der Aussaattermin. Erfolgt die Aussaat des Weizens vor Beginn des Winters spricht man von Winterweizen. Der genaue Zeitpunkt ist abhängig von der Art des Weizens, welche der Landwirt/die Landwirtin aussät. Grob gesagt, startet die Aussaat ab September, da das Wintergetreide einen sogenannten Kältereiz benötigt, um im kommenden Frühjahr die Blüten und Samen zu entwickeln (Vernalisation). Dieser Kältereiz wird durch eine Kälteperiode mit Temperaturen von -2 °C bis +5 °C, hervorgerufen.

 

Ungefähr im Juli des folgenden Jahres startet die Ernte des reifen Weizens. Wünschenswert ist es, wenn der geerntete Weizen einen Wassergehalt von ca. 14,5 Prozent besitzt. Ist dieser zu hoch, ergeben sich hohe Trocknungskosten. Die Trocknung des Getreides ist notwendig, um eine erfolgreiche Weiterverarbeitung z.B. als Futterweizen zu garantieren und Schimmelbefall zu vermeiden. Im Erntejahr 2019 lag die Erntemenge für Weizen in Deutschland bei rund 7,4 Tonnen Weizen pro Hektar Ackerland. Diese ist abhängig von der Regenmenge eines Jahres und der Beschaffenheit des Ackerbodens. Ein guter Boden zeichnet sich durch eine sehr gute Wasserspeicherkapazität aus, die wiederum wichtig für das Wachstum der Weizenpflanzen und die Kornausbildung ist.

Die Weizenernte – ein Mähdrescher bei der Arbeit

Weizen – vielfältig nutzbar

Weizen ist nicht gleich Weizen

Prof. Dr. Elke Pawelzik

Department für Nutzpflanzenwissenschaften der Georg-August-Universität, Göttingen, Leiterin der Abteilung „Qualität pflanzlicher Erzeugnisse“

Für uns in Deutschland ist besonders der Weichweizen bedeutend, er wird für Brot, Kuchen oder Kleingebäck verwendet. Hartweizen findet sich dagegen zum Beispiel in Pasta. Weichweizen, Hartweizen? Noch nie gehört?

Wir haben nachgefragt, aber nicht irgendwo, sondern bei Prof. Dr. Elke Pawelzik. Sie ist Leiterin der Abteilung „Qualität pflanzlicher Erzeugnisse“ an der Georg-August-Universität Göttingen.

Hartweizen oder Weichweizen, wo liegt der Unterschied?

Beides sind Arten, die zur Gattung des Weizens zählen. Wenn wir von „Weizen“ sprechen, meinen wir in der Regel den Weichweizen. Das Hartweizenkorn besitzt im Gegensatz zum Weichweizenkorn einen transparent aussehenden Mehlkörper; diese Eigenschaft wird als Glasigkeit bezeichnet. Sie kommt durch eine sehr dichte Packung von Stärke und Proteinen im Mehlkörper zustande. Dadurch erhält auch das Korn eine größere Kornhärte. Aus Hartweizen hergestellte Pasta und andere Teigwaren besitzen dadurch eine hohe Kochfestigkeit. Hartweizen ist im Vergleich zu Weichweizen insgesamt durch höheren Protein- und niedrigen Stärkegehalt sowie einen hohen Gehalt an Gelbpigmenten gekennzeichnet.

„Brotweizen“ und „Futterweizen“, auch wieder so eine Unterscheidung. Woran liegt das?

Die Einteilung richtet sich nach Proteingehalt, Proteinqualität und den Teigeigenschaften der Mehle. Je höher bzw. besser diese Merkmale, desto besser ist der Weizen für die Herstellung von Broten, Kleingebäck oder Feinbackwaren geeignet.

Aktuell haben wir mit Trockenheit zu kämpfen, wirkt sich das auf die Qualität des Weizens aus?

Tausendkorngewicht und Proteingehalt werden vermutlich geringer sein. Wenn die Pflanzen einem Hitzestress ausgesetzt sind, kann dies zu weiteren Qualitätseinbußen führen, die sich aber erst nach der Ernte und entsprechenden Qualitätsuntersuchungen zeigen werden.

Welche Auswirkungen könnte dementsprechend der Klimawandel auf den Weizenanbau und die Qualität in Deutschland haben? Lässt sich das abschätzen?

Die bisherigen Sommer zeigen sehr deutlich die Notwendigkeit, trocken- und hitzetolerante Sorten zur Verfügung zu haben, um Ertragsausfälle und Qualitätseinbußen zu minimieren.

Kontaktanschrift:

LAND.SCHAFFT.WERTE . e. V.
Lange Straße 71
49661 Cloppenburg

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